In meinem Viertel kenne ich inzwischen ungefähr die Zahlungsinfrastruktur.
Bäcker: bar.
Café daneben: Karte ab 10 Euro.
Döner: „Gerät kaputt“ seit gefühlt 2023.
Kiosk: alles egal.
Man passt sich an. Eigentlich absurd, aber nach einer Weile ist es einfach lokales Wissen.
Ich habe mir irgendwann einen 20-Euro-Schein hinten ins Portemonnaie gesteckt, nur für Läden mit „Kartenzahlung heute leider nicht möglich“.
Der Schein ist inzwischen so lange da, dass ich emotional fast nicht mehr bereit bin, ihn auszugeben.
Ist jetzt eher Notfallausrüstung.
Früher hatte ich automatisch Bargeld dabei, weil ich sowieso Portemonnaie, Karten und alles Mögliche mitgenommen habe.
Heute gehe ich manchmal nur mit Handy und Schlüssel aus dem Haus.
Dadurch ist „nur Bargeld“ für mich von einer kleinen Unbequemlichkeit zu etwas geworden, das einen Laden tatsächlich ausschließen kann. Nicht aus Prinzip – ich habe schlicht kein Zahlungsmittel dabei.
Schon interessant, wie schnell sich so eine Gewohnheit ändert. Vor ein paar Jahren wäre mir das andersrum wahrscheinlich komisch vorgekommen.
Bei „nur Bargeld“ kommt schnell der Witz mit der Steuer. Allein aus der Zahlungsmethode lässt sich daraus aber nichts ableiten. Bargeld und verschiedene Kartensysteme verursachen für Händler unterschiedliche Kosten und Abläufe; ein nerviges Schild ist noch kein Steuerermittlungsbericht.
Meistens zahle ich mit Karte. Bargeld hat für mich aber einen Vorteil: Ich merke deutlicher, dass es weg ist.
Mit 40 Euro im Portemonnaie sehe ich irgendwann, dass nur noch zwölf da sind. Bei fünf kleinen Kartenzahlungen denke ich eher: waren doch alles nur ein paar Euro.
Deshalb nehme ich manchmal absichtlich Bargeld mit, wenn ich abends unterwegs bin.
Nur vorgeschrieben bekommen möchte ich es nicht unbedingt.
Wenn ein Laden nur Bargeld nimmt, wird der nächste Geldautomat plötzlich Teil des Einkaufs. Dann geht es nicht nur um elf Minuten Umweg, sondern eventuell auch darum, ob die eigene Bank dort kostenloses Abheben ermöglicht. Die Zahlungsmethode kann damit mehr kosten als nur den Betrag auf der Rechnung.
Bargeld habe ich meistens genau dann dabei, wenn ich es nicht brauche.
Sobald irgendwo „nur bar“ steht, befinden sich in meinem Portemonnaie zuverlässig drei Karten und 1,70 Euro.
Ein kleines Café bei mir um die Ecke nimmt nur Bargeld. Die Besitzerin meinte irgendwann nebenbei, Kartenzahlung lohne sich für sie bei vielen kleinen Beträgen einfach nicht besonders.
Kann ich nachvollziehen.
Gleichzeitig stehe ich ungefähr jedes dritte Mal vor der Tür und merke, dass ich wieder kein Bargeld habe.
Sie hat einen guten Grund, ich habe keinen bösen Willen und manchmal kaufe ich meinen Kaffee trotzdem woanders.
Mehr Konflikt steckt da bei mir eigentlich gar nicht dahinter.
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